Lipödem
- torstengradt
- 28. Juli
- 15 Min. Lesezeit

SIE HABEN ODER KENNEN JEMANDEN MIT LIPÖDEM?
Wir fassen auf dieser Seite alle wichtigsten Infos zusammen.
INHALTSVERZEICHNIS
Liebe Kunde, Patient und/oder (Fach)Arzt,
wir wollen Ihnen zu verschiedenen Diagnosen und Verletzungen einen Einblick in die Problematik, unser Vorgehen und unsere Behandlung geben. Hierfür beziehen wir uns auf wissenschaftliche Studien und unsere jahrelange Erfahrung. So können sie sich vorher schon besser informieren und offene Fragen oder mögliche Unsicherheiten klären.
Das Lipödem ist eine chronische, fortschreitende Fettverteilungsstörung, die sich über die Zeit hinweg verschlechtert. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer unproportionalen Verdickung des Unterhautfettgewebes, was dazu führt, dass Arme und/oder Beine im Vergleich zum restlichen Körper auffällig verändert erscheinen. Diese ungleichmäßige Fettverteilung betrifft ausschließlich Frauen oder Menschen, die weibliche Hormone einnehmen. Es wird angenommen, dass insbesondere Östrogen eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Lipödemsspiel. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind jedoch noch nicht vollständig verstanden.
Schätzungen zufolge sind etwa 7 bis 9,7 % der Bevölkerung betroffen, wobei die Diagnose häufig unentdeckt bleibt, da viele Betroffene mit der Erkennung und der Diagnosestellung unsicher sind. Besonders bei postpubertären Frauen wird das Lipödem häufig diagnostiziert, wobei bis zu 11 % dieser Frauen betroffen sein können. Es gibt jedoch noch eine hohe Dunkelziffer, da das Bewusstsein für das Lipödem in der breiten Bevölkerung und auch unter medizinischen Fachkräften weiterhin gering ist. Schätzungen zur Dunkelziffer variieren, aber Experten gehen davon aus, dass bis zu 40 bis 50 Prozent der betroffenen Frauen mit einem Lipödem die Diagnose nicht erhalten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Symptome des Lipödems, wie eine unproportionale Fettverteilung an den Beinen oder Armen, häufig mit anderen Erkrankungen wie Übergewicht oder Lymphödem verwechselt werden. In vielen Fällen bleibt die Erkrankung unbehandelt, was zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Symptome führen kann. In den letzten Jahren hat, jedoch das Interesse und die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung zugenommen, was zu einer besseren Erkennung und Behandlung führen könnte.
Wie entsteht die Problematik ?
In 60% der Fälle spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle5, des Weiteren können hormonelle Veränderungen Grund für eine Entwicklung sein. Hierzu zählen am häufigsten Pubertät, Schwangerschaft oder die Menopause. 1 Für die genaue Ursache der Entstehung, gibt es bis heute verschiedene Hypothesen, aber keine konkrete Antwort.
Der Lebensstil ist nicht direkt als Ursache des Lipödems zu betrachten, spielt jedoch eine bedeutende Rolle dabei, wie stark sich die Symptome der Erkrankung ausprägen und wie schnell das Lipödem fortschreiten kann. Ein ungesunder Lebensstil, der durch mangelnde Bewegung, falsche Ernährung, zu wenig Schlaf, konstanten Stress oder übermäßiges Körpergewicht gekennzeichnet ist, kann das Fortschreiten des Lipödems negativ beeinflussen, da er die Fettverteilung im Körper weiter verschärfen kann.
Symptome
Die Symptome des Lipödems sind vielfältig und betreffen in erster Linie die Fettverteilung im Körper. Zu den typischen Anzeichen zählen:
Unproportionale Fettverteilung: Es kommt zu einer auffälligen und asymmetrischen Fettansammlung in den Extremitäten, vor allem an den Oberschenkeln, Beinen oder Armen. Der Rumpf ist dabei im Vergleich häufig nicht betroffen. Besonders auffällig ist, dass die Füße und Hände in der Regel nicht mit einbezogen sind, was das Lipödem von anderen Erkrankungen wie Übergewicht oder Lymphödemen unterscheidet.
Symmetrische Unterhautfettgewebsvermehrung: Das Fettgewebe vergrößert sich gleichmäßig beidseitig, was zu einer sichtbaren Veränderung der Körperkonturen führt.
Druckschmerz und Schmerzen: Besonders bei Berührung oder leichtem Druck können Schmerzen im betroffenen Bereich auftreten. Diese Empfindlichkeit ist ein häufiges Symptom des Lipödems und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Fatigue/Ermüdung: Ein weiteres häufiges Symptom ist eine schnelle Ermüdung der Extremitäten. Viele Betroffene berichten von einem schweren, müden Gefühl in den Beinen oder Armen, das sich im Verlauf des Tages verstärken kann.
Hämatomneigung: Menschen mit Lipödem haben oft eine erhöhte Neigung zu Blutergüssen. Schon kleine Stöße oder Druck können zu blauen Flecken führen, die sich schnell entwickeln.
Lipome: In einigen Fällen lassen sich kleine, gutartige Fettgeschwülste (Lipome) im Unterhautfettgewebe ertasten. Diese treten meist in späteren Stadien der Erkrankung auf und sind von außen fühlbar.
Teleangiektasien: Dies sind erweiterte, sichtbare Blutgefäße, die besonders an den betroffenen Extremitäten auftreten können. Sie erscheinen oft als feine, rote oder violette Linien und sind ein weiteres Anzeichen für das Lipödem.
Im späteren Verlauf der Erkrankung, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien, können zusätzlich folgende Symptome auftreten:
Orthostatische Ödeme: Häufig treten Schwellungen an den Beinen auf, die besonders nach längerem Stehen oder Sitzen entstehen. Dies führt zu sichtbaren Abdrücken auf der Haut, ähnlich wie ein Söckchenabdruck.
Knotiges Unterhautfettgewebe: Das Fettgewebe kann in fortgeschrittenen Stadien eine knotenartige Struktur annehmen, was das Gefühl von Verhärtungen und Unebenheiten im Gewebe verstärkt.
Wulstbildungen mit Kalibersprung: In besonders schweren Fällen können sich Wulstbildungen ausbilden, die durch einen sichtbaren „Kalibersprung“ an den Übergängen zu gesunden Gewebsbereichen gekennzeichnet sind. Dies führt zu unregelmäßigen, oft stark veränderten Konturen der betroffenen Extremitäten.
Diagnose
Die Diagnostik des Lipödems gestaltet sich aufgrund der variierenden Symptomatik und des Fehlens objektiver, messbarer Werte als besonders herausfordernd. Ein wichtiger Bestandteil der Diagnose ist daher die detaillierte medizinische Vorgeschichte der Betroffenen, bei der mehrere typische Symptome berücksichtigt werden. Zusätzlich wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, bei der das betroffene Gewebe abgetastet wird, um Veränderungen im Fettgewebe und in der Hautstruktur festzustellen. 6
Ein zentraler diagnostischer Schritt ist die Differentialdiagnose, um andere Erkrankungen wie Adipositas auszuschließen. Dies gestaltet sich jedoch oft als schwierig, da sich Lipödem und Adipositas in der Symptomatik überschneiden können. Eine hilfreiche Methode, um diese beiden Erkrankungen auseinanderzuhalten, ist eine Gewichtsreduktion. Wenn bei Übergewicht Fett im gesamten Körper reduziert wird, sollten auch die Extremitäten proportional (also gleichmäßig) mit abnehmen. Beim Lipödem bleibt jedoch das Fett in den betroffenen Extremitäten bestehen, obwohl der Rest des Körpers Gewicht verliert. Das bedeutet, dass Betroffene trotz Gewichtsreduktion oft weiterhin eine auffällige Fettansammlung in den Armen oder Beinen haben. 6 Daher sollte im Rahmen der Diagnostik auch der BMI, der Bauchumfang sowie das tägliche Aktivitätsniveau der Betroffenen berücksichtigt werden, um eine differenzierte Einschätzung der Erkrankung zu ermöglichen.
Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel durch einen Facharzt oder eine Fachärztin für Gefäßerkrankungen (Phlebologe/-in), der/die anhand der klinischen Untersuchung und der Ausschlussdiagnosen eine fundierte Einschätzung vornehmen kann.
Die Klassifikation des Lipödems erfolgt in drei Stadien, die sich auf objektive Parameter stützen. Leider werden dabei subjektive Symptome wie der Leidensdruck, Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag in der Stadieneinteilung nicht berücksichtigt. Die drei Stadien sind wie folgt unterteilt:
Stadium 1: Die Hautoberfläche bleibt glatt, jedoch ist eine gleichmäßige Verdickung des Unterhautfettgewebes sichtbar. Das Gewebe fühlt sich weich an und zeigt keine größeren Verhärtungen.
Stadium 2: Die Hautoberfläche ist uneben und weist überwiegend wellenartige Strukturen auf. Knotenartige Veränderungen im verdickten Unterhautfettgewebe sind ertastbar. Diese Form des Lipödems führt zu einer stärkeren sichtbaren Veränderung der Extremitäten.
Stadium 3: Es kommt zu einer ausgeprägten Umfangsvermehrung, bei der das Gewebe überhängt und sich überlappt, was als Wammenbildung bezeichnet wird. In diesem Stadium sind die Veränderungen am deutlichsten sichtbar und können zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen.
Diese Stadieneinteilung ist vor allem für die Einschätzung des Fortschreitens der Erkrankung und die Wahl der Therapie von Bedeutung. Sie hilft dabei, den Schweregrad der Erkrankung zu objektivieren, auch wenn subjektive Beschwerden dabei nicht immer vollständig berücksichtigt werden.
Verlauf
Beim Lipödem entwickelt sich eine krankhafte Vermehrung der Fettzellen, die mit einer Veränderung des Bindegewebes und verstärkten Entzündungsprozessen im Gewebe einhergeht.44 Im Verlauf verändert sich die Permeabilität der Lymphgefäße, was bedeutet, dass die Gefäßwände durchlässiger werden und Lymphflüssigkeit aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe austritt. Dieser Flüssigkeitsaustritt erhöht den Druck im Gewebe, was zu einer verstärkten Druckempfindlichkeit und der Entstehung von Hämatomen führen kann. 7 Zudem produziert das Fettgewebe Lymphflüssigkeit, und wenn sich zu viel krankhaftes Fett ansammelt, wird auch mehr Lymphflüssigkeit gebildet, als die intakten Lymphgefäße abtransportieren können. Durch die Vergrößerung des Fettgewebes werden die Lymphgefäße zusätzlich komprimiert, was die Transportkapazität der Lymphgefäße überschreitet. Diese Überlastung erklärt die häufige Druckempfindlichkeit und Schmerzhaftigkeit des betroffenen Gewebes.
Das Lipödem hat einen chronisch verschlechternden Verlauf, der jedoch schwer vorhersehbar ist. Es ist nicht exakt prognostizierbar, wie schnell oder in welchem Maße sich die Symptome verschlimmern. Übergewicht, ein mangelnder Lebensstil mit wenig Bewegung, hohe Stressbelastung und Entzündungsprozesse im Körper können den Verlauf des Lipödems negativ beeinflussen und zu akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) sowie zu Komplikationen führen. 1 Eine der häufigsten Komplikationen ist die Entstehung eines sekundären Lymphödems, auch als Lipolymphödem bezeichnet, das durch eine Verengung der Lymphgefäße aufgrund großer Fettablagerungen entsteht. Zudem erhöht sich das Risiko für eine Erysipel-Infektion, bei der die Haut und Lymphgefäße entzündet sind.
Im weiteren Verlauf können auch Haut- und Gewebeveränderungen auftreten, wie z. B. Sklerose (Verhärtung der Haut), Papillomatose (warzenartige Hautwucherungen) und Fibrosierung des Unterhautfettgewebes (Vermehrung von steifem, nicht elastischem Bindegewebe). Diese Veränderungen können die mechanische Funktionsfähigkeit der betroffenen Körperstellen einschränken. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen und Mazerationen (Aufweichung der Haut durch anhaltende Feuchtigkeit).
Orthopädische Komplikationen sind ebenfalls möglich, da die Bildung von Hautlappen und Wulsten zu Fehlstellungen und Gangbildstörungen führen kann. Diese Veränderungen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen, da sie mit einer Volumenzunahme, Disproportionen, Spannungsgefühlen, Druckschmerzen und Spontanschmerzen einhergehen können.
Um den Verlauf der Krankheit zu überwachen und zu kontrollieren, sollten regelmäßige Messungen durchgeführt werden. Dazu gehören der BMI, das Gesamtgewicht, die Waist-to-Hip-Ratio (Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang), der Umfang und das Volumen der betroffenen Extremitäten sowie der tägliche Aktivitätsindex. Diese Werte helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und eine passende Behandlung zu planen.
Mythen
“Du musst einfach nur mal abnehmen.”
Wenn ein Lipödem vorliegt, zeigt sich, dass eine Reduktion des Gesamtgewichts und des Körperfettanteils zwar zu einer Verringerung des Fettgewebes im Körperstamm führen kann, jedoch in den Gliedmaßen (Arme und Beine) kaum eine sichtbare Abnahme stattfindet. 6Das krankhafte Fettgewebe des Lipödems reagiert nicht wie normales Körperfett auf Diäten oder Gewichtsreduktion und kann nur begrenzt reduziert werden. Allerdings zeigt die Forschung, dass bei zusätzlichem Übergewicht das Abnehmen dennoch wichtig ist, um die Entwicklung von Ödemen zu verlangsamen und den Lymphfluss zu verbessern. Dies kann einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben und das Fortschreiten der Symptome möglicherweise verlangsamen.
“Durch Manuelle Lymphdrainage werden die Beine dünner.”
Eine manuelle Lymphdrainage (MLD) kann das krankhafte Fettgewebe beim Lipödem nicht verringern oder die Disproportion der betroffenen Extremitäten beheben. Studien zeigen, dass eine Lymphdrainage keine Reduktion des Fettgewebes bewirken kann1. Auch die wissenschaftliche Evidenz spricht nicht für einen langfristig positiven Effekt der manuellen Lymphdrainage beim Lipödem 20,21. Die Lymphdrainage kann jedoch helfen, die Symptome wie Schwellungen und Druckempfindlichkeit zu lindern, indem sie den Lymphabfluss unterstützt und eine Entstauung der betroffenen Bereiche fördert. Wichtig ist dabei, dass die schmerzlindernde Wirkung der manuellen Lymphdrainage in der Regel nur kurzfristig anhält. Die Symptome des Lipödems kehren oft schnell zurück, vor allem wenn keine weiteren langfristigen Veränderungen im Lebensstil vorgenommen werden, wie etwa regelmäßige Bewegung, gezielte Ernährung und Gewichtsmanagement.
Operation Ja? oder Nein?
Die Liposuktion (Fettabsaugung) ist seit 2020 eine anerkannte Kassenleistung für Patientinnen mit Lipödem im Stadium III. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Einstufung in dieses Stadium ausschließlich anhand objektiver körperlicher Merkmale erfolgt. Der individuell empfundene Leidensdruck – etwa durch starke Schmerzen oder Einschränkungen im Alltag – wird in der Klassifikation bislang kaum berücksichtigt. Dadurch kommt es häufig vor, dass Patientinnen mit ausgeprägtem Beschwerdebild, aber relativ geringem Gewebeumfang nur dem Stadium I oder II zugeordnet werden und somit keinen Anspruch auf eine Kostenübernahme für die Operation haben.
Die Liposuktion beim Lipödem dient der dauerhaften Entfernung des krankhaft veränderten Fettgewebes in der Unterhaut. Sie kommt dann infrage, wenn eine konsequente konservative Therapie (z. B. Kompression, manuelle Lymphdrainage, Bewegungstherapie) über mindestens sechs Monate keine ausreichende Linderung der Beschwerden bringt oder wenn sich die Beschwerden weiter verschlechtern. Liegt eine Adipositas vor, sollte diese vor der Operation behandelt werden. Bei einem BMI von >32 oder einem Körpergewicht von >120kg sollte die Operation nicht durchgeführt werden. 13
Zahlreiche Studien belegen, dass eine Liposuktion beim Lipödem zu einer deutlichen Verbesserung führen kann: Spontan- und Druckschmerzen nehmen ab, die Neigung zu Ödemen (Wassereinlagerungen) und Blutergüssen wird reduziert.¹⁰⁻¹²,43 In vielen Fällen berichten Patientinnen sogar von einer weitgehenden Beschwerdefreiheit nach der Operation. Die Lebensqualität kann dadurch erheblich steigen – durch weniger Schmerzen, mehr Beweglichkeit und ein gestärktes Selbstwertgefühl.
Langfristig zeigen aktuelle Studien, dass die Liposuktion – wenn sie unter fachgerechten Bedingungen und im Rahmen eines individuellen Nachsorgekonzepts erfolgt – gute und nachhaltige Ergebnisse erzielt. 43 Dabei ist es wichtig, dass Patientinnen realistische Erwartungen haben: Das Lipödem kann durch die Operation deutlich gelindert, aber nicht vollständig geheilt werden. Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und ggf. weiterer konservativer Therapie bleibt auch nach dem Eingriff essenziell.
Was können Sie als Patient oder Arzt bei/von uns erwarten?
Anamnese und Untersuchung
Zu Beginn Ihrer Behandlung nehmen wir uns Zeit für ein ausführliches Gespräch (Anamnese) und eine gezielte Untersuchung der betroffenen Körperbereiche. Dabei erfassen wir Ihre medizinische Vorgeschichte, den bisherigen Verlauf Ihres Lipödems sowie Ihre Erwartungen und persönlichen Behandlungsziele. Wichtig ist uns auch, mögliche Ausschlusskriterien für bestimmte Therapieformen (z. B. Lymphdrainage) zu erkennen.
Edukation
Wir legen großen Wert darauf, dass Sie verstehen, welche Therapieziele realistisch sind – und welche nicht. Dabei informieren wir Sie umfassend über den Umgang mit dem Lipödem im Alltag und wie Sie selbst zur Verbesserung beitragen können (Blog Therapieergebnis optimieren). Wir unterstützen Sie auch dabei, gesundheitsfördernde Gewohnheiten zu entwickeln und nachhaltige Lebensstilveränderungen umzusetzen.
Therapie
Wir möchten Sie dabei unterstützen, den größtmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen und an Lebensqualität zu gewinnen. Hierfür sind wir breit aufgestellt und können Sie über eine manuelle Lymphdrainage hinaus im Bereich Training und Ernährung unterstützen.
Dabei stellen Training und Ernährung nicht nur eine Ergänzung, sondern einen essenziellen therapeutischen Baustein dar.
Allgemeines Ziel der Therapie ist es, Komplikationen (siehe oben) zu verhindern und eine Besserung der subjektiven Beschwerden zu erreichen. Das Lipödem bedingte krankhafte Fettgewebe der Extremitäten kann jedoch durch Ernährung oder körperlicher Aktivität nicht/ nur begrenzt weniger werden.
Training
Bewegung ist wichtig für den Lymphabfluss und den venösen Fluss, daher ist ein aktiver Lebensstil mit Bewegung und einem gesunden Körpergewicht wichtig und sollte angestrebt werden. Außerdem ist es wichtig, eine Entwicklung von Übergewicht zu verhindern oder einem bereits vorhandenen Übergewicht entgegenzusteuern. Ein Programm aus Krafttraining und Ausdauertraining wird hier von den Leitlinien empfohlen.
Regelmäßiges Krafttraining minimiert entzündliche Prozesse im Körper und fettabbauende Zytokine werden ausgeschütten. Außerdem wird durch die Kontraktion der Muskulatur der Abtransport von Flüssigkeit unterstützt und Stauungen verhindert. Regelmäßiges Krafttraining und eine Vermehrung von Muskelmasse sorgt zudem für weniger Blutzuckerschwankungen und dadurch weniger Entzündungen und Wassereinlagerungen.
Das Training wird individuell aufgestellt und langsam, progressiv gesteigert.
Ausdauertraining spielt eine wichtige Rolle, da es den venösen Rückfluss und den Abfluss der Lymphflüssigkeit unterstützt. Durch die rhythmische Muskelkontraktion – etwa beim Gehen, Radfahren oder Schwimmen – wird der Flüssigkeitstransport in den Gefäßen angeregt und der Rückstau verringert. Das kann helfen, Schwellungen und Spannungsgefühle zu lindern und das Gewebe zu entlasten. Ein besonders geeignetes Ausdauertraining für Lipödem-Patientinnen ist das Schwimmen oder Aquajogging. Das Wasser wirkt durch seinen hydrostatischen Druck wie eine natürliche Kompression und vermittelt ein angenehmes Gefühl von Leichtigkeit.
Ernährung
Eine angepasste Ernährung und Gewichtsreduzierung ist besonders wichtig, wenn zusätzlich eine Adipositas vorliegt – was bei über 50 % der Lymph-Patientinnen der Fall ist¹⁵ ¹⁷. Ziel ist es, das Körpergewicht zu reduzieren, um orthostatische Ödeme (Schwellungen, die durch Hochlagern zurückgehen) zu vermeiden.
Da beim Lipödem auch entzündliche Prozesse eine Rolle spielen, ist eine entzündungshemmende Ernährung empfehlenswert (Blog Entzündungen). Stress sollte ebenfalls reduziert werden, da er über das Hormon Cortisol Entzündungen fördert.
Ein hoher Insulinspiegel begünstigt die Fettspeicherung und fördert über Insulinresistenz auch die Ödembildung. Daher ist eine isoglykämische Ernährung sinnvoll: Das bedeutet, möglichst auf Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index (<55) zu setzen – diese lassen den Blutzucker langsamer und weniger stark ansteigen. Auch intermittierendes Fasten kann helfen, den Insulinspiegel zu regulieren (Blog Ernährung).
Die Gewichtsabnahme sollte nicht zulasten der Muskelmasse erfolgen. Um gezielt Fettmasse zu reduzieren, ist eine ausreichende tägliche Eiweißzufuhr entscheidend – das unterstützt den Muskelerhalt und die Fettverbrennung.
Das Lipödem bedingte krankhafte Fettgewebe der Extremitäten kann jedoch durch Ernährung oder körperlicher Aktivität nicht/ nur begrenzt weniger werden.
Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE)
Die KPE setzt sich aus vier Elementen zusammen: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Bewegung und Hautpflege.
Die wissenschaftliche Studienlage zur Wirksamkeit dieser Therapie beim Lipödem ist bisher eingeschränkt. Es gibt bislang keinen eindeutigen Nachweis, dass die manuelle Lymphdrainage bei Lipödem einen medizinischen Mehrwert bietet – viele Patientinnen berichten jedoch subjektiv von einer Linderung von Schmerzen und Spannungsgefühlen.
In frühen Stadien des Lipödems und wenn kein orthostatisches Ödem vorhanden ist, ist eine Lymphdrainage nicht indiziert.
Die tägliche Nutzung von Kompressionsbestrumpfung kann helfen, Ödeme zu reduzieren. Ob sie allerdings eine Verschlechterung langfristig vorbeugen, ist derzeit umstritten. Wichtig ist: Eine Reduktion des krankhaften Fettgewebes ist durch diese Maßnahmen allein nicht möglich.
FAZIT
Das Lipödem ist eine komplexe, chronische Erkrankung, die frühzeitig erkannt und ganzheitlich behandelt werden sollte. Es handelt sich nicht einfach um „Übergewicht“, sondern um eine medizinisch anerkannte Fettverteilungsstörung mit körperlichen und seelischen Auswirkungen. Je früher die richtige Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Lebensqualität verbessern.
Wichtig ist: Es gibt keine „Heilung“, aber sehr wohl wirksame Möglichkeiten, um Beschwerden zu lindern, Komplikationen vorzubeugen und die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Wir bieten Ihnen eine individuelle Beratung, eine fundierte Einschätzung Ihrer Situation und eine Therapieplanung, die sich auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und unsere langjährige praktische Erfahrung stützt.
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Wie wir Ihnen helfen können
Therapie mit Verordnung KG-Gerät, KG, Manuelle Lymphdrainage
Quellenangaben
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Miller A. Komorbidität von Patienten mit Lymphödemen. LymphForsch 2008 ; 12 : 14 – 8.
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Reich-Schupke S , Altmeyer P , Stücker M . Pilotstudie zur Kompressionsversorgung von Patienten mit Lipödem, Lymphödem und Lipolymphödem . LymphForsch 2012 ; 16 : 65 – 9.
Földi E, Földi M (2003) Lipoedema. In: Földi M, Földi E, Kubik S, eds. Textbook of Lymphology. Urban and Fischer, Jena, Germany: 395–403
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Miller, A. (2020). Lymphödem – Klinik und Behandlung. Der Hautarzt. doi:10.1007/s00105-019-04523-z
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